Stadtquartier Hafner in Konstanz

lageplan

ISSSresearch&architecture was selected together with Man Made Land Landscape Architects and Teleinternetcafe Architects and Urbanists to participate in the urban design competition “Planungsdialog Heimat Hafner”. Our team developed and proposed the project HAFNERRING.

Project Team:
Architects: Ingrid Sabatier-Schwarz & Stephan Schwarz, Urs Kumberger
Landscape Architects: Anna Lundqvist, Yana Korolova

Links:
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LEITBILD & VISION
Der Hafnerring verknüpft, als qualitätsvolle Wegeverbindung für Fußgänger, Fahrradfahrer und Busse, Wollmattingen mit den drei Teilquartieren des neuen Stadtteils. Rund um den Hafner wird so das Zentrum des bestehenden Ortes mit den neuen Nachbarschaftszentren und ihren unterschiedlichen Angeboten verbunden. Im Zentrum der neuen Entwicklung steht der Hafner selbst, mit seinen originären Freiraumqualitäten im Spannungsfeld zwischen Naturraum und Kulturlandschaft, mit differenzierten Nutzungsangeboten gleichermaßen für die Bewohner*innen aus Wollmattingen und den neuen Nachbarschaften. Mit den neuen gemischt genutzten Quartiere entsteht ein produktiver Stadtteil mit hohen urbanen Qualitäten, der die Freiraumqualität des Hafners erlebbar macht und so den Ortsteil Wollmattingen nicht nur funktional ergänzt sondern diesen zukunftsorientiert weiterentwickelt.

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04Grundstruktur und Quartierszentrum
Die städtebauliche Grundstruktur Wollmattingens, bestehend aus den Hauptverbindungen Radolfzeller Straße und Litzelstetter Straße in Kombination mit kleinen Gassen und Wegen, wird aufgenommen und in den Teilquartieren des neuen Stadtteils neu interpretiert. Die Hauptverbindungen Wollmattingens werden fortgesetzt und zum Hafnerring geschlossen. Dadurch werden die neuen Teilquartiere sowohl untereinander als auch mit der bestehenden Ortsstruktur verknüpft. In jedem Teilquartier ist in zentraler Lage am Hafnerring ein Quartiersplatz mit Quartiershaus verortet. Dieses beinhaltet soziale und gewerbliche Quartiersinfrastruktur sowie einen integrierten Mobilitätshub. Der Hafnerring verknüpft das Zentrum Wollmattingens mit den neuen Quartierszentren und erzeugt so eine Sequenz abwechslungsreicher urbaner öffentlicher Räume.

05Erschließung und Mobilität
Der gesamte neue Stadtteil besteht aus drei Teilquartieren mit jeweils eigenen Nachbarschaftszentren, an denen sich je ein Quartiershaus mit integriertem Mobilitätshub als intermodale Schnittstelle für verschiedene Verkehrsmittel mit Quartiersgarage, E-Mobilitäts- und Car-Sharing Angeboten befindet. Die Erschließung der Teilquartiere für Fußgänger, Radfahrer und Busse erfolgt über den Hafnerring, für den MIV erfolgt sie über je eine Erschließungsschlaufe in jedem der Teilquartiere, die an die L221 angebunden ist. Im gesamten Stadtteil stehen Fußgänger und Fahrradfahrer im Vordergrund während der Raum für den MIV auf ein notwendiges Minimum reduziert wird und die erforderlichen Parkplätze in den Quartiersgaragen bereitgestellt werden. So entsteht ein zukunftsorientierter, autoarmer Stadtteil mit hoher Aufenthaltsqualität für Fußgänger und Fahrradfahrer.

06Teilquartiere und Nutzungsverteilung
Jedes der Teilquartiere besteht aus unterschiedlich großen Baufeldern, um innerhalb der so gebildeten Grundstruktur eine hohe Flexibilität hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung zu gewährleisten und gleichzeitig ein vielfältiges räumliches Angebot für unterschiedlichste Nutzungen bereitzustellen. So entstehen produktive urbane Räume mit einer vielfältigen Mischung an Nutzungen und Typologien für Wohnen, Arbeiten, Produzieren und vieles mehr. Die Teilquartiere im Westen und Norden beinhalten jeweils einen vorrangig gewerblich genutzten Cluster zur L221 mit Schwerpunkten auf lokalem Handwerk, kleinteiligeren nichtstörenden Produktionsstäten sowie zukunftsorientierten Innovationsbetrieben. An der Schnittstelle zwischen Rudolfzellerstraße und L221 wird ein Bereich für lautere gewerbliche Nutzungen vorgesehen. Grundsätzlich werden in allen Teilquartieren Flächen für verträgliche gewerbliche Nutzungen integriert um eine hohe Nutzungsmischung zu gewährleisten und im Sinne einer Stadt der kurzen Wege ein lebendiges Stück Stadt zu ermöglichen. Insbesondere die zentralen Bereiche in jedem Teilquartier zeichnen sich durch einen urbanen Mix aus Wohnen und Arbeiten aus und beinhalten in den Erdgeschoßen andere Nutzungen als Wohnen. Die Bereiche an den Schnittstellen zu den produktiven Freiräumen beinhalten vermehrt Wohnnutzungen und profitieren von der unmittelbaren Nähe zum Grünen. Das Teilquartier im Osten an der Litzelstetterstraße beinhaltet den Bildungscampus und die übergeordneten Sportflächen mit Freizeitangeboten für den neuen und die angrenzenden bestehenden Stadtteile. Der Bildungscampus ist durch den Hafnerring einfach und sicher aus allen Teilquartieren erreichbar. Kitas befinden sich über alle Bereiche des neuen Stadtteils verteilt, gut erreichbar in die Bebauungsstrukturen integriert und können im Lauf der zukünftigen Entwicklung bedarfsorientiert errichtet werden. Sie bilden einen wichtigen Bestandteil der jeweiligen Nachbarschaftszentren in den Teilquartieren.

07Freiraum und Stadtklima
Die Lage des neuen Stadtteils rund um den Hafner und am Übergang des Siedlungskörpers der Stadt Konstanz zum Naturraum wird als ganz besondere Qualität gesehen, die einen sensiblen Umgang mit den lokalen naturräumlichen Begebenheiten erfordert. So wird eine klare städtebauliche Grundstruktur mit einem größtmöglichen Erhalt bestehender Grünraumstrukturen, wie Biotope und Wasserläufe, miteinander in Einklang gebracht. Dies hat positive Auswirkungen auf das Stadtklima in Bezug auf Durchlüftung und Kühlung, leistet einen wichtigen Beitrag zum Wassermanagement im Quartier und bietet eine hohe Aufenthaltsqualität für die Bewohner*innen. Die Integration der bestehenden Biotope und Wasserläufe in die städtebauliche Grundstruktur erfolgt durch grüne Fugen, welche die Teilquartiere strukturieren und in den Übergängen zum Siedlungskörper Wollmattingens Freizeitangebote bereitstellen. Sie sind ein wichtiges Freiraumelement, das den übergeordneten Naturraum mit der produktiven und landwirtschaftlichen Kulturlandschaft des Hafners vernetzt. Der Hafner als zentraler Freiraum des gesamten Stadtteils ist geprägt durch seine bestehenden landwirtschaftlichen Strukturen im Zentrum sowie durch neue produktive Kulturlandschaften an den Übergängen der Teilquartiere zum Hafner. Diese zeichnen sich durch eine hohe Nutzungsintensität durch die Bewohner*innen aus. Diese produktiven Kulturlandschaften bilden den Übergang des Siedlungskörpers zum Landschaftsraum in Form eines Rings um den Hafner und machen die Besonderheit des Ortes, das Leben an der Schnittstelle zur Natur, erleb- und nutzbar. In diese Kulturlandschaft ist zudem ein breites Angebot verschiedener Gemeinschafts- und Freizeitangebote eingeflochten. So wird der Hafner zur gemeinsamen Mitte von Wollmattingen und dem neuen Stadtteil.

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Entwicklungsphasen und Prozess
Aufgrund der klaren und flexiblen Struktur des neuen Stadtteils ist das Quartier einfach in drei Schritten zu entwickeln. Die kompakte Struktur bietet schon während der Entwicklung des Stadtteils urbane Qualitäten und macht bereits zu Beginn den Hafner als Stadt- und Landschaftsraum erlebbar. Es ist jederzeit möglich auf angepasste Bedarfe zu reagieren und die Entwicklung entsprechend anzupassen.
Im ersten Schritt wird das nördliche Teilquartier entwickelt. Der Hafnerring, als wichtige Fußgänger, Fahrrad und Busverbindung wird bereits angelegt und verknüpft den neuen Stadtteil mit Wollmattingen. Eine Qualifizierung zum urbanen öffentlichen Raum kann in den weiteren Entwicklungsschritten erfolgen. Die Hafnerterrasse, als zentraler öffentlicher Raum und Quartierszentrum des gesamten Stadtteils, schafft einen frühen Impuls als gegenüber zum alten Ortskern. Dadurch wird schon früh der Hafner als Mitte der gesamten Entwicklung definiert und der Landschaftsraum erlebbar gemacht. Durch den Entwicklungsbaustein für größere Gewerbeeinheiten im Westen an der Radolfzeller Straße wird der Ortseingang Wollmattingens im ersten Schritt räumlich definiert. Je nach Bedarf kann dieser Baustein flexibel entwickelt werden. Im Osten an der Litzelstetter Straße entsteht der Bildungscampus, der über die bestehende Straße sowie den Hafnerring eng mit dem alten und dem neuen Stadtteil verknüpft ist. Die flexible Struktur erlaubt es auch hier, dem Bedarf entsprechend, in kleinteiligeren Schritten zu entwickeln. In den beiden folgenden Entwicklungsschritten werden die beiden weiteren Teilquartiere realisiert. Dabei wird zunächst das Teilquartier um den Bildungscampus entstehen.
Neben der groben Gliederung des Entwicklungsprozesses in drei Schritten können die Teilquartiere flexibel in kleinteiligeren Schritten umgesetzt werden. Eine nachhaltige und angepasste Entwicklung ist somit auch in Zukunft möglich.

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About ISSSresearch&architecture

ISSSresearch&architecture Ingrid Sabatier & Stephan Schwarz Architecture, Research & Urbanism