TOUR N°014

TOUR N°014 ////// 10.05.2011


IMPRESSIONEN IN SITU


ISSS TALK on TOUR N°014


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TOUR N°014 ////// 10.05.2011

La vidéo qui suit décrit nos impressions personnelles.
Elle n’a pas pour objectif d’être correcte ou complète.



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TOUR N°014 ////// 10.05.2011

Der folgende Bericht gibt unsere ganz persönlichen Eindrücke wieder und hat somit weder Anspruch auf Richtigkeit, Vollständigkeit oder politische Korrektheit.

Tour in das bulgarische Roma Gecekondu in Gaziosmanpasa auf der Südseite des Goldenen Horns. UrbanExploration mit ISSSresearch.

Wir begeben uns mit dem Bus den wir bereits während der Exploration Tour N°010 genommen haben nach Gaziosmanpasa und von der Busendhaltestelle zu Fuß weiter in Richtung des gesuchten Gecekondus. Wir kennen den Weg und die Ränder dieses Viertels aus der Exploration Tour N°010, doch diesmal wollen wir das Innenleben desselben kennenlernen. Wir haben absichtlich auf die Mitnahme der Kamera verzichtet um uns selbst sicher zu fühlen und weil wir nicht vorhaben hier Photos zu machen. Wir verlassen die Hauptstraße und betreten das Gecekondu Viertel an seiner oberen Seite. Schon nach wenigen Schritten werden wir argwöhnisch betrachtet und wir spüren die vielen Augen die uns folgen förmlich. Als wir dann in eine Seitenstraße einbiegen um weiter ins Innere des Viertels zu gelangen werden wir jedoch angehalten und befragt was wir denn hier wollen, suchen und tun. Das türkische Wort für Künstler, sanatçı, das wir zuvor im Wörterbuch gesucht haben wenden wir nun an um zu erklären was wir hier tun und wer wir denn seien. Man gibt uns zu verstehen, dass wir hier nicht weiter gehen sollen, das Stadtviertel sei für uns zu gefährlich. Nach einigem hin und her hat die Gruppe von Menschen die uns mittlerweile umgibt verstanden, dass wir Künstler sind und hier nur zeichnen wollen. Wir geben uns als Künstler aus, weil wir der Meinung sind, dass der Begriff Architekten in einem vom Abriss bedrohten Stadtviertel möglicherweise keine positiven Reaktionen hervorrufen würde. Als wir als harmlos eingestuft waren begegnet man uns äußerst herzlich und freundlich. Wir bekommen Stühle und etwas zu trinken und finden uns so auf Stühlen mitten auf der Straße wieder, umringt von 20 neugierigen Kindern. Rund herum sitzen Frauen auf der Straße und etwas weiter weg wird ein Teppich gewaschen. Einige Männer sitzen auch herum und versuchen immer wieder mit uns zu sprechen. Fußball stellt sich wieder einmal als Brückenschlag zwischen den Sprachen und Kulturen heraus. Wir kommen kaum zu wirklichen Zeichnungen, da wir laufend unterbrochen werden und entweder Kinder die Perspektive verdecken, oder jemand mit uns sprechen will. Hin und wieder halten Passanten an und verstehen einige Wörter Englisch. Diese sind dann sofort eingebunden in die Kommunikation und versuchen uns einige der vielen Fragen zu übersetzen die an uns gestellt werden. Hände und Füße werden gebraucht um sich verständlich zu machen. Als ich plötzlich Staub unter meine Kontaktlinse bekomme ist die ganze Menschentraube um mich bemüht und will mir helfen. Als wir uns nach einigen Zeichnungen weiter auf den Weg machen wollen, werden wir darauf hingewiesen den Weg aus dem Viertel hinaus zu nehmen und auf keinen Fall weiter in dasselbe hinein zu gehen. Wir zweifeln zwar aufgrund der Autos, die aus dem Viertel immer wieder herauskamen, dass das Viertel wirklich gefährlich sei, fügen uns jedoch dem Willen unserer Gastgeber, wenn man so will und lassen uns von diesen weiterführen. Als wir wieder in der Straße sind über die wir gekommen sind realisieren wir, dass uns etwa 20 Menschen folgen. Zu diesen gesellen sich immer weitere hinzu. Als wir auf eine Gruppe Männer in Anzügen stoßen ändert sich die bisher so positiv, naive Stimmung schlagartig und der Umgangston wir rauer. Das romantische Gutmenschenbild das sich uns bisher geboten hat bricht in sich zusammen und stellt sich als hohl heraus, als wir von unseren neuen Gesprächspartnern in deren Büro gebeten werden. Hier spricht niemand Englisch und man gibt sich auch keine Mühe uns zu verstehen. Man begutachtet unsere Zeichnungen und nur ein sehr klares NEIN halten den Wortführer der Gruppe davon ab die Zeichnungen aus unseren Büchern zu reissen. Wir verstehen nicht was die Männer von uns wollen und können nur unsere Vermutungen darüber anstellen. Diese lassen mehrere Möglichkeiten zu, die wahrscheinlichste ist, do denken  wir, dass er ein lokaler Politiker sein könnte, der meine er sei der Chef des ganzen Stadtviertels und aus diesem Grund dürften wir ohne seine Erlaubnis in diesem gar nichts tun und er ist erbost, weil wir ohne seine Erlaubnis einzuholen in dem Viertel gezeichnet haben. Zudem könnte er auch verärgert sein, weil er uns für Menschen hält die etwas mit dem zukünftigen Abriss des Viertel zu tun haben könnten und wir sind aus diesem Grund nicht willkommen. Nach einigem Hin und Her, in dem keiner den Anderen versteht, beschließen wir das Viertel zu verlassen. Wir geben dies sehr klar zu verstehen und es scheint allen Beteiligten recht zu sein. Wir werden von einigen Kindern bis auf die Hauptstraße begleitet und ein kleiner Junge in Militäruniform winkt uns zum Abschied noch über Straße nach als seine Gefährten bereits auf dem Rückweg sind. Er wirkt glücklich und sein Blick prägt sich in mein Gedächtnis ein. Wir sind durch die Vorfälle deutlich verwirrt, die plötzliche Wendung die unsere UrbanExploration an diesem tag genommen hat, von der beinahe romantischen Gecekondu Atmosphäre, wie man sie sich völlig verzerrt vorstellen könnte rasant zur Realität einer unzugänglichen Blase in der Megapole, das seine eigenen Regeln zu haben scheint. Das Wort STADTSCHAUM beschreibt den labilen Zustand dieses Gecekondus wohl sehr gut. Wir beenden diese Erfahrung mit der Rückfahrt per Bus nach Taksim.